24.01.2016

Beachtliche Entwicklungsfortschritte der letzten Jahre haben in vielen Ländern südlich der Sahara die Hoffnung auf eine afrikanische Erfolgsgeschichte keimen lassen. Gleichzeitig steht die Region noch immer vor enormen Herausforderungen: Die Bevölkerung wächst deutlich schneller als die Zahl der Arbeitsplätze. Nur 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung haben einen fest entlohnten Job und zwischen 2010 und 2020 drängen weitere 120 Millionen junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt.

Unter ihnen steigt die Unzufriedenheit. Eine zwangsläufige Folge sind soziale Unruhen, die vermehrt auch für Europa spürbar werden.
 
Obwohl knapp die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung überwiegend in der Landwirtschaft tätig ist, produzieren diese Bauern nicht genug Nahrungsmittel. Mehr als 200 Millionen Menschen in Afrika leiden an Hunger und Mangelernährung. Selbst gute Ernten lassen sich vielerorts nicht weiterverarbeiten, denn es gibt keine Stromversorgung, mit der sich Maschinen, Kühl- oder Trockenanlagen betreiben ließen.
 
„Es fehlt in der Region an Unternehmen, die aus Feldfrüchten markttaugliche und profitable Lebensmittel herstellen“, erläutert Franziska Woellert, eine der beiden Autoren vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. „Ohne eine solche Veredelungsindustrie findet die eigentliche Wertschöpfung anderswo statt und Lebensmittel müssen teuer importiert werden.“
 
Die Autoren des Discussion Papers gehen der Frage nach, wie sich drei große Probleme des Kontinents – Bevölkerungswachstum, Nahrungs- und Energiemangel – zumindest teilweise lösen lassen. Neben verbesserten Anbaumethoden zur Erhöhung der Erträge auf dem Feld schlagen sie vor allem den raschen Ausbau der Energieversorgung in den ländlichen Gebieten vor. Nur damit wird es kleinen Betrieben und Genossenschaften möglich, markttaugliche Lebensmittel herzustellen und von der rapide wachsenden Nachfrage zu profitieren. „Andere Weltregionen haben gezeigt, dass sich so erhebliche Einkommensmöglichkeiten und zahlreiche Arbeitsplätze schaffen lassen“, sagt Woellert, „also genau das, was Afrika dringend braucht“.
 
„Die verbesserten Lebensumstände würden wiederum das Bevölkerungswachstum bremsen“, erklärt Reiner Klingholz, der Direktor des Berlin-Instituts, „denn erfahrungsgemäß entscheiden sich Menschen vor allem dort für weniger Kinder, wo sie durch Bildung und Einkommen die Chance erhalten, sich individuell zu entfalten“.
 
Im Schnitt verfügt in den ländlichen Regionen nur jeder siebte Bewohner über einen Stromanschluss. Energiearmut ist dort gleichbedeutend mit Armut. Die Autoren fragen deshalb, wie sich die afrikanische Energiekrise beheben ließe. „Den wichtigsten Beitrag können regenerative Energiequellen leisten, die in Afrika reichlich vorhanden sind“ sagt Klingholz und fügt hinzu: „Diese haben den entscheidenden Vorteil, dass sie sich rasch als dezentrale Lösungen nutzen lassen. Die technischen Möglichkeiten sind dabei schon weit entwickelt und die Region könnte beim Ausbau ihrer Energieversorgung die fossile Ära ohne größere Probleme überspringen“.
 
Entwicklung und Armutsbekämpfung sind gerade in den ländlichen Gebieten geboten, denn dort ist das Bevölkerungswachstum am höchsten. Dadurch würde sich auch der Druck auf die Städte reduzieren, die schon heute aus allen Nähten platzen und zu sozialen Brennpunkten werden. Die Verbesserungen würden zur Stabilität der Region beitragen und hätten einen Effekt, den sich die europäische Politik derzeit sehnlichst herbeiwünscht: Sie würden Fluchtursachen bekämpfen.
 
Das Discussion Paper „Jobs für Afrika“ wurde von der Bayer CropScience AG, der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH, der Stiftung Forum für Verantwortung und dem Förderkreis des Berlin-Instituts gefördert.
 
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.berlin-institut.org/publikationen/discussion-papers/Jobs_fuer_Afrika.html
http://www.berlin-institut.org
 

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

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