08.09.2010
Der Wald als Klimaregulator: Eine internationale Studie verblüfft selbst Experten
Ausgerechnet zum Ende des diesjährigen, recht verregneten Sommers rückt
die Hitzeperiode von 2003 noch einmal deutlich in Erinnerung. „Vielleicht
haben sich damals viele in den relativ kühlen, schattigen Wald
gewünscht!“, meint Prof. Christian Bernhofer.
Der Meteorologe an der Fakultät Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften der Technischen Universität
Dresden erklärt: „Dass Wälder einen dämpfenden Einfluss auf solche
Hitzeperioden haben sollten, liegt an ihrer höheren Verdunstung, die einen
Teil der Wärme verbraucht und so kühler bleiben als Wiesen oder Felder.“
Dass solche Effekte ganze Landschaften betreffen können und auch
klimatische Konsequenzen nach sich ziehen, war bis jetzt durchaus
umstritten. Wenn diese Konsequenzen real sind, könne man aber einen Teil
des Klimawandels je nach Landnutzung verstärken oder abschwächen.
In der freien Natur spielen sich hydrologische Prozesse ab, die
unterschiedliche Auswirkungen auf Klimafaktoren haben. Eine internationale
Forschergruppe, der auch Professor Christian Bernhofer sowie Dr. Thomas
Grünwald von der TU Dresden angehören, ist in einer staatenübergreifend
angelegten Studie auf überraschende Ergebnisse gestoßen, die in der
jüngsten Ausgabe der renommierten Zeitschrift nature geoscience publiziert worden sind.
Bisher ging man davon aus, dass geschlossene Waldgebiete in heißen Sommern
ausschließlich eine kühlende Wirkung hätten. Nun aber ist festgestellt
worden – und die beiden Dresdner Wissenschaftler haben mit ihren
Messstationen im Tharandter Wald einen erheblichen Anteil an dieser
Erkenntnis –, dass Wälder zunächst einmal zur atmosphärischen Aufwärmung
beitragen. Im Gegensatz zu Wiesenflächen geben sie das gespeicherte
Bodenwasser nur allmählich ab, tragen also nur wenig zu einem Abkühlen der
Umgebung bei. Graslandschaften unterliegen anderen Aspekten und verdunsten
relativ rasch das gespeicherte Wasser. Damit kühlen sie zu Beginn einer
Hitzeperiode anfangs sehr stark, sind dann aber rasch ausgetrocknet und
können den hohen Temperaturen nichts mehr entgegensetzen. Diese
Regulierung funktioniert in Wäldern mit einer langfristigeren Strategie.
Während Wiesen- und Ackerflächen sehr rasch austrocknen, geben Waldgebiete
die Feuchtigkeit nur sparsam ab. Die Wissenschaftler haben herausgefunden,
dass die Regelung der Spaltöffnungen von Wäldern dazu beiträgt, sich auf
eine drohende Trockenheit besser einzustellen. Langfristig gesehen, tragen
Wälder in Hitzejahren also wesentlich mehr und vor allem kontinuierlicher
zum Befeuchten und Abkühlen der Umgebung bei.
Diese Erkenntnisse, die mit den internationalen Partnern aus Belgien,
Frankreich, Italien, den Niederlanden und der Schweiz gemeinsam gewonnen
wurden und in der September-Ausgabe der nature geoscience detailliert
dargestellt sind, können für künftige Bebauungspläne von enormer Bedeutung
sein, unterstreichen Bernhofer und Grünwald. Damit werden Aufforstungen
attraktiver und die Erholungswirkung städtischer Parks wird deutlich.
Nicht zuletzt seien die speziellen Eigenschaften der Pflanzen auch für
Wetterprognosen und Klimaszenarien auswertbar. Ob die langfristigen Flächennutzungen sich dadurch ändern lassen, hängt eher an rechtlichen Fragen und bleibt abzuwarten. Ein Argument für mehr
städtisches Grün ist es allemal.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://tu-dresden.de/metereologie
Technische Universität Dresden
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