15.08.2010
Unkonventionelles Erdgas auf Bornholm
Forschungsbohrung in gashaltigem Schiefer
Am Mittwoch den 11.08.2010 beginnt auf der dänischen Insel Bornholm ein Forschungsbohrprojekt zur Untersuchung von Erdgas in Schiefergestein. Das Deutsche GeoForschungsZentrums GFZ teuft im Forschungsprojekt GASH (Gas Shales in Europe) gemeinsam mit dem Geologischen Dienst von Dänemark und Grönland (GEUS) eine Flachbohrung von 40 Metern in den Alaun-Schiefer auf der Insel ab.
Diese dichten Tonsteinpakete aus dem Erdzeitalter des Kambrium sind rund 30
Millionen Jahre alt und enthalten möglicherweise Erdgas. Dieses
Methan, das sogenannte Shale Gas, gilt als so genannte
unkonventionelles Erdgas und könnte eine interessante neue Energieressource für Europa werden.
Als Shale Gas bezeichnet man Erdgas, das in Tonsteinen gefangen ist.
Wie übliches Methan entsteht auch das Schiefergas aus organischer
Materie. Ablagerungen von Pflanzenresten können, wenn sie durch
Sedimentablagerungen zugedeckt werden, unter den passenden Druck- und
Temperaturbedingungen im Verlauf von hunderten von Millionen Jahren zu
Erdöl und Erdgas heranreifen. Bei Schiefergas ist der Sachverhalt ein
wenig spezieller: bevor es in große Lagerstätten sickern kann, wird es
im Gestein eingefangen. Dieses Gestein muss aber entsprechend kompakt
sein, also aus sehr kleinen Einzelkörnern zusammengebacken sein.
Tonstein, beispielsweise Schiefer, hat solche Eigenschaften. Shale
Gas-Vorkommen heissen deshalb unkonventionell, weil im Unterschied zu
konventionellen Erdöl- und Erdgassystemen das gashaltige Tonsteinpaket
drei Einzelfunktionen übernimmt: als Muttergestein, in dem das Gas
gebildet wird; als Speichergestein, in dem das fertige Gas gespeichert
ist und als Abdeckgestein, das ein Wandern des Methans verhindert.
Wissenschaftler des GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft) untersuchen diese
Prozesse und mögliche Lagerstätten in Europa im international
angelegten Forschungsprogramm GASH, denn in Europa sind die
geologischen Rahmenbedingungen, die zur Shale Gas-Bildung und
-Erhaltung führen, bislang wenig erforscht. Die Bohrung auf Bornholm
soll Erkenntnisse dazu erbringen, die gewonnenen Bohrkerne werden
geologisch, geochemisch, geophysikalisch und geomechanisch untersucht.
Zu diesem Zweck wird das mobile Labor „BugLab“ des GFZ nach Bornholm geschafft.
Diese Bohrung wird etwa drei Tage in Anspruch nehmen. Zur Absicherung
der Ergebnisse wird anschließend für den dänischen GEUS ein zweiter
Bohrkern unweit der ersten Bohrstelle erbohrt, der in Dänemark
verbleiben wird. Schließlich werden im Anschluss an die Bohrung
geophysikalische Untersuchungen mittels 3D-Seismik sowie
Wasserprobennahmen durchgeführt.
Im GASH-Verbundvorhaben werden elf Einzelprojekte realisiert. Darüber
hinaus wird in GASH eine europaweite Schwarzschiefer-Datenbank
erstellt, die erstmals alle in Europa verfügbaren geologischen
Informationen zu Schwarzschiefern bündelt. Wissenschaftliche Partner
sind das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ sowie zahlreiche
europäische Universitäten und Forschungseinrichtungen. Das GASH-
Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren (2009 bis 2012) und wird
durch das GFZ koordiniert.
http://www.gas-shales.org
Helmholtz-Zentrum Potsdam
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