03.03.2010
Injektionsdüngung - ein Düngeverfahren mit Zukunft!
Flüssigen Stickstoffdünger in die Nähe der Pflanzenwurzeln zu
injizieren, damit er den Pflanzen nach Bedarf als Depot zur Verfügung
steht - ein Weg mit Zukunft, wie die Vorträge und Diskussionen während
eines Symposiums am Julius Kühn-Institut (JKI) Mitte Februar 2010
zeigten. "Im Getreide-, Mais-, Raps-, Kartoffel- und im Gemüseanbau
belegen die Versuche verschiedener Forschungseinrichtungen, dass
Injektionsdüngeverfahren nahezu immer zu gleichen oder höheren
Erträgen führt als herkömmliche Düngestrategien",
so das positive Fazit des Organisators, Dr. Martin Kücke vom JKI. Das Interesse der
Landwirte an der Injektionsdüngung ist, trotz höherer Maschinenkosten,
ungebrochen, und die so gedüngten Flächen nehmen stetig zu. Bei
Wasserwerksbetreibern und Umweltverbänden findet diese Strategie
aufgrund der reduzierbaren Düngermengen und der geringeren Umweltbelastung verstärkt Beachtung.
Bei der Injektionsdüngung handelt es sich um eine Unterfußdüngung mit
Flüssigdüngern, die in Deutschland unter dem Begriff CULTAN-Verfahren
seit ca. 1970 durch Prof. Karl Sommer aus Bonn populär gemacht wurde.
Während nach der reinen CULTAN-Lehre die Düngerlösungen weder Nitrat
noch Harnstoff enthalten sollen, werden in der landwirtschaftlichen
Praxis aus Gründen der Verfügbarkeit und der Kosten auch andere
Stickstofflösungen eingesetzt.
Im Vergleich zur oberflächlichen Ausbringung des Düngers zeigen die
vorgestellten Daten, dass in verschiedenen ackerbaulichen Kulturen die
deutlichsten Ertragseffekte auf leichten Böden, bei
Frühjahrstrockenheit und in Trockengebieten zu erzielen sind. Auch für
Grünland wurden Ergebnisse vorgestellt.
Hinsichtlich des Trinkwasserschutzes belegen Freilandmessungen an
unterschiedlichen Standorten, dass die Nitratgehalte im Sickerwasser
nach Injektionsdüngung häufig niedriger sind als nach konventioneller
Düngung. In dreijährigen Feldversuchen des JKI in dem norddeutschen
Trinkwasserschutzgebiet Meyenburg konnte mit der CULTAN-Düngung von
Wintergetreide (W-Roggen, W-Gerste, Triticale) ca. 25 % der
Düngermenge ohne Ertrags- und Qualitätsverluste eingespart werden.
Lebhaft diskutiert und speziell von Wasserwirtschaftlern beachtet
wurde ein Beitrag aus Großbritannien: Dort konnte in Versuchen mit
Gemüse durch Injektionsdüngung die Aufwandmenge an Stickstoff auf die
Hälfte reduziert werden. Dabei wurde von gleich hohen oder leicht
erhöhten Gemüseerträgen und einer besseren Qualität berichtet.
"Speziell in Trinkwasserschutzgebieten bietet sich diese
Düngestrategie somit sowohl aus ackerbaulichen als auch aus
ökologischen Gesichtspunkten bevorzugt an", so Kücke.
An den Schutz der Atmosphäre werden ebenfalls hohe Erwartungen
gestellt. Indem der flüssige Dünger direkt in den Boden ausgebracht
wird, können Ammoniakemissionen, wie Labormessungen des JKI zeigten,
um 99 % reduziert werden. Werden, wie nach der reinen CULTAN-Lehre
gefordert, nitratfreie Düngerlösungen eingesetzt, gilt dies nach
Lehrmeinung auch für die N2O (Lachgas)-Freisetzung. Erste, sehr
aufwändige Messungen durch die Universität Hohenheim lassen diesen
Schluss allerdings bisher nicht zu. Jedoch wurden hier nitrathaltige
Dünger eingesetzt. Weitere Untersuchungen mit nitratfreien Düngern werden folgen.
In Ländern wie Kanada oder Australien hat die Flüssigdüngerinjektionen
(fluid injection) bereits eine lange Tradition. So werden in den
Prärien Kanadas, die zur Vermeidung von Winderosion und unproduktiver
Wasserverdunstung überwiegend mit Minimal- oder ganz ohne
Bodenbearbeitung bewirtschaftet werden, nahezu alle Düngemittel - ob
fest oder flüssig - direkt in den Boden eingebracht. Dies geschieht
entweder während der Aussaat oder nach dem Auflaufen der Pflanzen.
Sowohl wegen der geringeren Nährstoffverluste als auch wegen der
besseren und schnelleren räumlichen Zugänglichkeit für die Wurzeln
werden die Nährstoffe effizienter aufgenommen. Fluid Injection stellt
für die Farmer Kanadas heute das effizienteste und kostengünstigste Düngeverfahren dar.
Auch in Deutschland zeigt sich eine positive Entwicklung: Wurden 2004
knapp 10.000 Hektar mit 10 Maschinen nach dem CULTAN-Verfahren
gedüngt, so sind es zurzeit 70.000 Hektar mit 44 Injektionsmaschinen
(Arbeitsbreite >/= 12 Meter). "Diese Zuwachsraten belegen, dass die
Injektionsdüngung unter den ackerbaulichen Rahmenbedingungen
Deutschlands ökonomisch und ökologisch erfolgreich anwendbar ist",
resümiert Kücke. Mittlerweile ist die vierte Maschinengeneration im
Einsatz. Und die Innovationen gehen weiter: Beiträge der TU
Braunschweig und aus Holland stellten den Tagungsteilnehmern
eindrucksvoll Injektionsverfahren vor, die die Düngerlösung mit hohem
Druck in den Boden schießen (high pressure injection).
Praktiker unter den Teilnehmern betonten wiederholt, dass mit
Flüssigdüngerinjektion gedüngte Bestände oft deutlich gesünder und
vitaler aussehen als konventionell gedüngte, besonders dann, wenn die
Düngerlösung neben Stickstoff auch Schwefel enthält. Wissenschaftliche
Untersuchungen, welche Einflüsse die Injektionsdüngung auf die
Gesundheit der Pflanzen und die Ammoniumernährung hat, fehlen jedoch
bisher. Hier ist die Forschung gefragt, um dem umweltfreundlichen
Verfahren weitere positive Impulse zu geben.
Julius Kühn-Institut
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