21.02.2010
Wirkstoff aus der Myrte nachgebaut
Totalsynthese von Myrtucommulon A geglückt.
Die Myrte gilt seit der Antike als Heilpflanze. Neben einer Reihe von ätherischen Ölen enthält sie Myrtucommulon A, eine pharmakologisch interessante Substanz, die unter anderem antibakteriell,
schmerzlindernd und stark entzündungshemmend wirkt. Neuere Tests belegen zudem eine hoch selektive zytostatische Wirkung auf Tumore.
Ein Team um Johann Jauch ist es jetzt gelungen, Myrtucommulon A
künstlich herzustellen. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift
Angewandte Chemie berichten, zeigt die synthetische Verbindung die
gleiche entzündungshemmende sowie cytostatische Aktivität wie die natürliche.
Die Myrte (Myrtus communis) ist ein immergrüner Strauch des
Mittelmeerraumes mit aromatisch duftenden, kleinen, lederigen
Blättern, kleinen, weißen Blüten und blauschwarzen Beeren. Die
mediterrane Küche nutzt Blätter und Beeren gelegentlich als Gewürz.
Seit der Antike ist die an ätherischen Ölen reiche Myrte auch als
Heilpflanze bekannt. Die pharmakologische Forschung interessiert sich
aber besonders für eine Gruppe von Substanzen der Myrte, die als
Myrtucommulone bezeichnet werden. Ihre Extraktion aus dem
Myrtenblättern ist allerdings sehr mühevoll und liefert nur geringe
Ausbeuten. "Eine synthetische Darstellung von Myrtucommulonen würde
die Substanz in ausreichender Menge zugänglich machen, um ihre
pharmakologischen Eigenschaften genauer zu untersuchen", sagt Jauch.
"Zudem kann man Analoga entwickeln, die vielleicht noch wirksamer sind
als die ursprüngliche Substanz. So könnte die Wirkung des Naturstoffes
gesteigert werden."
Eine solche Totalsynthese ist den Wissenschaftlern jetzt geglückt.
Ausgehend von käuflichen oder literaturbekannten Ausgangsverbindungen
hat das Team von der Universität des Saarlandes in Saarbrücken sowie
der Universität Tübingen Myrtucommulon A, dessen natürliche Varianten
C und F sowie ein Analogon in einer einstufigen Reaktion
synthetisiert. Anhand spektroskopischer Untersuchungen und einer
Röntgenstrukturanalyse konnte deren Struktur bestätigt werden.
"In Labortests zeigte sich, dass das künstliche Myrtucommulon A
genauso stark entzündungshemmend wirkt wie die natürliche Verbindung",
so Jauch. "Ebenso wie der Wirkstoff aus dem Pflanzenextrakt löst es
den programmierten Zelltod (Apoptose) von Tumorzellen aus." Als
nächstes wollen die Wissenschaftler die absolute räumliche Struktur
der Verbindung aufklären und weitere Analoga herstellen und testen.
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Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
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