14.02.2010
Eichen-Jahrringe zeigen Sommerklima der letzten 1000 Jahre
In einer aktuellen Studie haben schweizerische und deutsche
Wissenschaftler unter Beteiligung der Universität Gießen erstmals anhand von Eichen-Jahrringen das Klima der letzten 1000 Jahre in Mitteleuropa untersucht. Demnach lassen sich drei wichtige Etappen unterscheiden: Feucht-warme Sommer im 13. und 14. Jahrhundert ("Mittelalterliches Klimaoptimum"), trocken-kalte Sommer vom späten 15. bis ins frühe 18. Jahrhundert ("Kleine Eiszeit") und trocken-warme Sommer in den letzten rund 200 Jahren ("Industrielle Erwärmung").
Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift "Quaternary Science
Reviews" erschienen. Erstautor ist Dr. Ulf Büntgen von der
Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft
(WSL) in Birmensdorf bei Zürich. Neben weiteren Wissenschaftlern der
Universitäten Bonn, Göttingen und Mainz war von Seiten der Justus-
Liebig-Universität Prof. Dr. Jürg Luterbacher (Professur für
Klimatologie, Klimadynamik und Klimawandel des Institut des Instituts
für Geographie) an der umfangreichen Untersuchung von 953 historischen
und lebenden Eichen aus Nordhessen und Südniedersachsen beteiligt.
Die Wissenschaftler konnten sich auf einen einmaligen Dateinsatz aus
135.000 individuellen Jahrring-Breitenmessungen aus den Jahren 996 bis
2005 berufen. In deutschen Wäldern wird das Eichenwachstum wesentlich
durch Sommertrockenheit beziehungsweise durch das zur Verfügung
stehende Bodenwasser beeinflusst: In trockenen Jahren sind die Ringe
dünner. So ermöglicht synchrones Ringwachstum eine präzise Datierung
historischer Holzproben. Die für eine Region und Periode typische
Reihenfolge klimatisch gesteuerter Zuwachsmuster ist also vergleichbar
mit einem genetischen Fingerabdruck.
Aus den Untersuchungen lasse sich keine Entwicklung zu stärker und
länger andauernden Dürreperioden ableiten, betonen die Forscher, da es
auch früher schon ähnliche lange Etappen mit bestimmten klimatischen
Bedingungen gegeben habe.
Justus-Liebig-Universität Gießen
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