14.02.2010
Krankheitserreger hinter Schloss und Riegel
Wo ist sie hin die Vogelgrippe, die noch im letzten Jahr ein unerschöpfliches Thema für die Medien war? Ist sie verschwunden? Nein. Sie wird weiterhin analysiert und bekämpft. Hinter gut gesicherten Türen, die kein Entkommen der Krankheitserreger und keine Gefährdung von Mensch und Tier zulassen.
Durch zunehmende Tierkrankheiten, die auch dem Menschen gefährlich werden können, wurde ein Ausbau des Diagnosezentrums der staatlichen tierärztlichen Untersuchungsanstalt Aulendorf notwendig. Der im Auftrag des Landesbetriebs Vermögen und Bau, Amt Ravensburg, erstellte Neubau beinhaltet ein sogenanntes S3-Labor - ein Labor mit besonders hoher Schutzstufe. Für den Bau solcher Untersuchungsstätten gelten spezielle Vorschriften bezüglich der Gebäudetechnik. Deshalb sahen sich die Ingenieure des Planungsbüros Conplaning GmbH Ulm/Günzburg mit einer interessanten Herausforderung konfrontiert.
Im ersten Obergeschoss des Neubaus befindet sich ein geschlossener Laborbereich mit Zutrittskontrollen, Personal- und Materialschleusen. Die Labormitarbeiter müssen zum Betreten des S3-Labors eine Druck-Kaskade durchlaufen, das heißt, hinter jeder Schleuse liegt ein Raum mit niedrigeren Druckverhältnissen. Damit wird garantiert, dass keine Erreger beim Öffnen der Türen nach außen entweichen können. Gewebeproben von Tieren werden ebenfalls über Schleusen ins Labor gebracht und nach der Untersuchung in einem Autoklaven mit heißem Dampf sterilisiert und entsorgt. Die Belüftung des Laborraums erfolgt über eine Klimaanlage. Die Abluft jedoch wird über spezielle Schwebstofffilter geführt, die einen besonders hohen Abscheidegrad gewährleisten. Die ingenieurtechnische Herausforderung liegt darin, keine Installationsleitungen offen verlaufen zu lassen. Ebenso wie auf den geschlossenen Oberflächen der Arbeitstische oder den sehr glatten Schrankoberflächen, darf es keine Gelegenheit für Keime geben, sich an Installationen festzusetzen. Auch die Zuführung von hoch gereinigtem Gas und vollentsalztem Wasser, das für die Untersuchungen benötigt wird, erforderte eine besondere Verlegung der Rohrleitungen. Abwasserleitungen gibt es aus Sicherheitsgründen im S3-Labor nicht: Verbrauchtes Wasser wird in einem Behälter gesammelt, mit einem Autoklaven sterilisiert und über eine Materialschleuse aus dem Labor gebracht.
Vielfältige Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz von Mensch und Tier auf dem Weg zu neuen Erkenntnissen über Krankheitserreger. Doch was geschieht bei einem Stromausfall oder einem Brand? Auch hier haben die Ingenieure der Conplaning GmbH schon weiter gedacht: Ein Notstromaggregat springt ein, wenn der Strom aus dem öffentlichen Netz mal ausbleibt. Das S3-Labor selbst ist von den anderen beiden Laboren im ersten Stock durch Brandschutzwände und Brandschutztüren getrennt. Im Brandfall wird ein Übergreifen auf andere Gebäudeteile verhindert.
So gesichert kann das Labor verstärkt an der Analyse von tierischen Krankheiten arbeiten. Die gewonnenen Erkenntnisse sind die Basis für Gegenmaßnahmen und medizinische Entwicklungen – somit ein wichtiger Schritt für eine gesunde Zukunft.
Team-entlastung
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