07.02.2010
CeBIT 2010: Der neue Personalausweis
Für den neuen, digital lesbaren Personalausweis entwickeln und unterstützen Fraunhofer-Forscher technische Systeme zur Nutzung und Sicherheit. Auf der CeBIT in Halle 9, Stand B36 zeigen die Experten,
wie man sich in Zukunft auch im Online-Shop oder am Telefon elektronisch und sicher ausweist.
Am 1.November 2010 ist es soweit: Dann wird der neue Personalausweis
mit elektronischer Identitäts- und Signaturfunktion in Deutschland den
bisherigen Ausweis ablösen. Auf den ersten Blick unterscheidet sich
der neue Ausweis erstmal nur durch sein Format - er wird das Format
einer Scheckkarte haben. In seinem Inneren befindet sich ein RFID-
Chip, der alle Daten speichert, die heute nur optisch vom Dokument
ablesbar sind. Man kann sie dann per Funk auslesen. Damit nur
Berechtigte auf die Daten zugreifen können, sind diese auf der Karte
verschlüsselt, und auch die Übertragung findet über kryptographisch
abgesicherte Protokolle statt. So soll der Zugriff für Unbefugte
verhindert werden. Der Ausweisinhaber kann mittels einer
sechsstelligen PIN jeweils individuell bestimmen, für wen er die Daten
freischalten möchte. Gleichzeitig regelt der Gesetzgeber, wer eine
Zugriffsberechtigung erhält: Dazu muss jeder Diensteanbieter ein
Zertifikat bei einer behördlichen Vergabestelle beantragen und
nachweisen, dass er die Daten zur Abwicklung des Geschäfts benötigt.
Für den Bürger bringt die Innovation eine ganze Reihe von Vorteilen,
denn mit dem neuen Personalausweis wird es beispielsweise möglich,
sich im Internet mit seiner e-Identität (eID) auszuweisen. "Um das
Vertrauen in Geschäfts- und Verwaltungsprozessen in der virtuellen
Welt zu stärken, ist eine sichere Identifizierung des Bürgers
notwendig", betont Jens Fromm vom Fraunhofer-Institut für Offene
Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin. "Der Umgang und die Verwaltung
von Identitäten muss so einfach wie möglich gestaltet werden. Der neue
Personalausweis kann hierzu einen Beitrag leisten", ergänzt seine
Kollegin Petra Hoepner. Mit der elektronischen Ausweisfunktion kann
man von seinem Computer aus mit Behörden oder Dienstleistern Kontakt
aufnehmen und elektronische Dienste nutzen, etwa online einkaufen, ein
Konto eröffnen, in einem Hotel einchecken oder Lotto spielen. Dazu
braucht man dann nicht mehr wie heute eine elektronische Signatur oder
andere aufwändige Prozeduren wie das Postident-Verfahren. Die eID-
Funktion kann jeder Bürger beim Erhalt seines neuen Ausweises
freischalten lassen und dann mit seiner dazugehörigen PIN nutzen.
Damit all dies technisch einwandfrei funktioniert, sind nicht nur die
neuen Ausweise nötig, sondern auch eine Infrastruktur, die
gleichzeitig die Datensicherheit garantiert. Um sie aufzubauen und zu
testen, hat sich das Bundesministerium des Inneren, das für die
Einführung des neuen Personalausweises verantwortlich ist, vier starke
Partner gesucht. Zwei davon sind Institute der Fraunhofer-
Gesellschaft: das Fraunhofer FOKUS und das Fraunhofer-Institut für
Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt.
Die beiden Fraunhofer-Institute bilden zusammen das "Test- und
Demonstrationszentrum neuer Personalausweis", das als Anlauf- und
Informationspunkt für den Anwendungstest dient. Das Schaufenster für
Anwendungen befindet sich im FOKUS in Berlin. Es fördert die gezielte
Betreuung und Begleitung der Einführungsphase des Personalausweises.
Interessierte Besucher aus der öffentlichen Verwaltung, aus Wirtschaft
und Medien können dort Szenarien und Anwendungen kennen lernen. Zum
einen werden im Demonstra- tionszentrum technische und
organisatorische Informationen über den neuen Personalausweis,
eGovernment und eBusiness präsentiert. Zum anderen auch technische
Komponenten wie Bürgerclient und eID-Server, sowie ausgewählte
Pilotprojekte von Diensteanbietern. "Seit dem 1. Januar 2010 können an
den Anwendungstests interessierte Institutionen und Firmen teilnehmen"
sagt Jens Fromm, Leiter des Fraunhofer FOKUS Secure eIdentity-Labors,
"so haben sie die Möglichkeit, bereits vor der Einführung die
Funktionalitäten des neuen Personalausweises zu testen." Das Labor für
die Sicherheitstests hat seinen Standort in Darmstadt, wo Fraunhofer-
Mitarbeiter die Unternehmen mit technischem Know-how bei der
Integration bestehender und Entwicklung neuer Dienste unterstützen.
"Wir stellen den Unternehmen einen Testdienst zur Verfügung und führen
Fehleranalysen durch", sagt Ulrich Waldmann, zuständiger Projektleiter am SIT.
Auf der CeBIT stellt das SIT Anwendungen vor, die zeigen, wie man den
neuen Personalausweis zur Authentifizierung beim Telefonieren über
eine VoIP-Verbindung, also beim Telefonieren übers Internet, nutzen
kann. Das Konzept erlaubt eine beidseitige Authentisierung von
Gesprächspartnern in VoIP-Telefonaten und den vertraulichen Austausch
von Informationen per Telefon. "Bisher gab es zwar schon Methoden, um
die Identität des Telefonpartners feststellen zu können", erklärt
Mitarbeiter Ronald Marx, "etwa das Erkennen der Stimme, die Verwendung
der übertragenen Telefonnummer oder anderer Merkmale aus einer
Datenbank. Diese Verfahren waren aber häufig unzuverlässig oder nicht
universell einsetzbar." In Zukunft ließe sich hierfür die Online-
Authentifizierungsfunktion des neuen Personalausweises nutzen.
Der Ausweisinhaber möchte beispielsweise den Telefonbanking-Service
seiner Bank über das Call-Center zur Aufstockung seines Aktiendepots
nutzen. Aufgrund der geforderten vertraulichen Behandlung des
Gesprächsinhalts ist eine beidseitige Authentifikation und
Verschlüsselung erforderlich. Die Bank bietet die Nutzung der eID-
Funktion an, da sie selbst an einer zuverlässigen Identifikation ihrer
Kunden oder Geschäftspartner interessiert sind. Gleichzeitig möchte
sie selbst ihre Identität zuverlässig nachweisen. Das Verfahren
besteht nun aus drei Schritten: Der Herstellung einer verschlüsselten
Direktleitung zwischen Kunde und Bank, dem Übermitteln der jeweiligen
Identifikationsdaten und schließlich der Zuordnung der beiden
Leitungen. Der Kunde hat einerseits die Gewissheit, dass es sich bei
seinem Gesprächspartner um einen Mitarbeiter der Bank handelt. Und der
Call-Center-Agent wiederum weiß mit Sicherheit, dass es sich
tatsächlich um den Kunden handelt.
In Zukunft soll es sogar möglich sein, sich über das Handy
auszuweisen. "Dazu muss man mit dem Handy den RFID-Chip des Ausweises
lesen können", sagt Ronald Marx, der am SIT das Projekt betreut. "Wenn
der Ausweis erst einmal eingeführt ist, werden diese Funktion künftig
immer mehr Mobiltelefone unterstützen."
Weitere Informationen zum neuen Personalausweis finden Sie im Internet unter:
http://www.ccepa.de
Fraunhofer-Gesellschaft
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