13.01.2010
Abfallwirtschaft entlastet das Klima
Neue Studie untersucht Potenziale am Beispiel von Siedlungsabfall und Altholz
Die Abfallwirtschaft trägt erheblich zum Klimaschutz bei und wird dies auch in Zukunft weiter tun. Insgesamt spart die Abfallwirtschaft beim Siedlungsabfall und beim Altholz bereits heute jährlich knapp 18 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten ein. Dies entspricht in etwa den CO2-Emissionen von 7,7 Millionen Autos.
Im Vergleich zu 1990 macht dies eine Reduktion von rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten aus.
Zu dieser Einschätzung kommt eine neue Studie von Öko-Institut und
Ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung), die heute der
Öffentlichkeit vorgestellt wird. Im Auftrag von Umweltbundesamt,
Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen
Entsorgungswirtschaft haben die WissenschaftlerInnen das
Klimaschutzpotenzial der Abfallwirtschaft untersucht.
"Deutschland nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein. Allerdings
wünschen wir uns weiterhin eine konsequente Orientierung der deutschen
Abfallwirtschaft an Zielen des Klima- und Ressourcenschutzes. Dazu
gehören insbesondere verstärkte Bemühungen, Abfälle zu vermeiden und
die intelligente Nutzung von Abfällen in Kaskaden aus stofflichem und
energetischem Recycling", fordert Öko-Instituts-Wissenschaftler Günter
Dehoust.
Nach Berechnungen der WissenschaftlerInnen können die
treibhausschädlichen Gase in der deutschen Abfallwirtschaft bis zum
Jahr 2020 weiter reduziert werden - um rund zehn Millionen Tonnen
CO2-Äquivalente jährlich. Voraussetzung dafür: mehr Recycling, eine
verbesserte stoffliche Verwertung der Abfälle und eine effizientere
Technik in den Behandlungsanlagen. Somit könnten allein der
Siedlungsabfall und das Altholzrecycling mit rund 13 Prozent zu den
Treibhausminderungszielen für Deutschland (40 Prozent bis 2020) beitragen.
Auch die Situation in Europa haben sich die WissenschaftlerInnen
angesehen. In der EU 27 spielt die Deponierung im Vergleich zu
Deutschland immer noch eine wesentliche Rolle und belastet das Klima
jährlich mit bis zu 110 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Hier ist
eine konsequente Abkehr von der Deponierung sowie ein ambitioniertes
Recycling notwendig, um die Belastungen zu verringern. Die
Einsparpotenziale für das Klima sind hoch: bis zu 192 Millionen Tonnen
an CO2-Äquivalenten sind je nach untersuchtem Szenario möglich. Damit
könnte der Siedlungsabfall ausgehend vom Bilanzjahr 2007 mit bis zu 32
Prozent zum Minderungsziel der EU 27 (20 Prozent bis 2020) beitragen.
In den beispielhaft untersuchten Ländern Türkei, Tunesien und Mexiko
dominiert die Deponierung von Abfällen, wobei nur Mexiko eine
geordnete Abfallwirtschaft etablieren konnte. Bislang haben diese
Länder noch keine Minderungsziele vereinbart. Wenn sie jedoch die
Deponierung beenden, sind bezogen auf die aktuellen
Treibhausgasemissionen bei allen drei Staaten erhebliche
Einsparpotenziale bei der Siedlungsabfallwirtschaft möglich.
Ein direkter Vergleich zwischen den Ergebnissen für Deutschland, für
die EU 27 und die drei untersuchten Länder ist nicht unmittelbar
möglich. Es liegen unterschiedliche Rahmenbedingungen zugrunde, und je
nach verfügbaren Informationen unterscheiden sich auch die
Bezugsgrößen. "Generell leistet der Ausstieg aus der Deponierung aber
den entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz", sagt Öko-Instituts-
Wissenschaftler Günter Dehoust. "Möglich wird dieser aber nur, wenn
die Wertstoffe, die heute noch nutzlos abgelagert werden, getrennt
erfasst und umweltgerecht recycelt werden!"
Mehr unter:
http://www.oeko.de
Öko-Institut e. V.
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