13.12.2009
Mehr CO2 in der Atmosphäre: Kulturpflanzen brauchen weniger Wasser
Die stetig steigende Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid
(CO2) in der Atmosphäre ist nicht nur einer der Hauptfaktoren für den
Klimawandel - das Gas dient auch als unverzichtbarer Baustein für die
Photosynthese der Pflanzen und ist damit Grundlage allen Lebens. Damit
berührt der CO2-Anstieg auch unmittelbar Fragen der Ernährung:
Wie reagieren Kulturpflanzen wie Weizen, Kartoffeln oder Mais, wenn ihnen
mehr CO2 zur Verfügung steht? Fördert das ihr Wachstum, haben wir
bessere Ernten zu erwarten und wie beeinflusst die CO2-reichere
Umgebungsluft den Wasserbedarf der Pflanzen? Wissenschaftler des
Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Braunschweig können auf
einige dieser Fragen jetzt Antworten geben.
Die Arbeitsgruppe um Professor Hans-Joachim Weigel vom vTI-Institut
für Biodiversität konnte auf Erkenntnisse aus der Fachliteratur
aufbauen, nach denen in Laborversuchen die meisten unserer
Kulturpflanzen eine höhere Photosyntheserate und ein verstärktes
Wachstum zeigen, wenn sie mehr CO2 zur Verfügung haben. Einige
Pflanzenarten konnten unter diesen Bedingungen auch das vorhandene
Wasser besser ausnutzen - ein wichtiger Gesichtspunkt, da in unseren
Breiten künftig längere Trockenperioden während des Sommers erwartet
werden. Unbekannt war bis jetzt aber, wie die Pflanzen unter realen
landwirtschaftlichen Anbaubedingungen auf das erhöhte CO2-Angebot in
der Atmosphäre und auf verminderte Niederschläge reagieren.
Um hier zu belastbaren Aussagen zu kommen, errichteten Weigel und sein
Team auf einem Versuchsfeld des von Thünen-Instituts in Braunschweig
eine europaweit einmalige CO2-Anreicherungsanlage, mit der die
zukünftigen Konzentrationen dieses Gases in der Atmosphäre sowie
unterschiedliche Trockenheitsbedingungen direkt im Freiland simuliert
werden können. In dieser sogenannten FACE-Anlage (Free Air Carbon
Dioxide Enrichment) wird mithilfe von ringförmig angeordneten Düsen
eine Kreisfläche mit einem Durchmesser von 20 Metern computergesteuert
so mit CO2 begast, dass sich im Bereich der Pflanzen eine Atmosphäre
mit rund 550 ppm (parts per million) Kohlendioxid einstellte. Das
entspricht den Verhältnissen, wie sie für das Jahr 2050 erwartet
werden. Auf dem Rest des Feldes beträgt die CO2-Konzentration in der
Luft 385 ppm, das ist der heute überall anzutreffende Wert.
In mehrjährigen Versuchen mit der Fruchtfolge Gerste, Weizen und
Zuckerrüben konnten die vTI-Forscher zeigen, dass die Pflanzen in der
CO2-angereicherten Fläche 10-15% mehr Biomasse bilden und dass die
Pflanzen dabei je nach Versuchsjahr 5-20% weniger Wasser über ihre
Spaltöffnungen in die Umgebungsluft abgaben, d.h. ihre Transpiration
reduzierten. Während der CO2-Anreicherung erhöhte sich auch die
Bodenfeuchte unter diesen Beständen. Das bedeutet: Diese Pflanzen
können das ihnen zur Verfügung stehende Wasser effizienter nutzen.
In einem anschließenden zweijährigen Versuch mit Energiemais, der sich
durch schnelles Wachstum bei hohen Temperaturen auszeichnet, wurden
erstmals unter Feldbedingungen gezielt die Wechselwirkungen zwischen
Trockenstress (erzeugt durch eine Regenausschlussvorrichtung) und
einer gleichzeitig erhöhten CO2-Konzentration untersucht. Die
Maispflanzen reagierten auf den simulierten Trockenstress unter
heutigen CO2-Bedingungen mit einem Wachstumsverlust (oberirdische
Biomasse) von rund 28%. Unter der CO2-angereicherten Atmosphäre war
das Wachstum allerdings "nur" um ca. 11% erniedrigt, der
Trockenstresseffekt wurde also erheblich kompensiert.
"Die Ergebnisse sind Beispiele für Rückkoppelungseffekte, die bei der
Klimafolgenabschätzung beachtet werden müssen", erläutert Weigel. In
den kommenden zwei Jahren will seine Arbeitsgruppe die Versuche zur
Kombinationswirkung von Trockenstress und erhöhter CO2-Konzentration
unter dem Aspekt der Nutzung der genetischen Vielfalt mit
verschiedenen Sorten von Sorghum-Hirse, ebenfalls eine Energiepflanze,
fortsetzen. Die hierbei erzielten Ergebnisse sollen im Rahmen eines
Verbundprojektes in die züchterische Optimierung von Sorghum-Hirse einfließen.
Johann Heinrich von Thünen-Institut
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