03.12.2009
Durstige Pflanzen senden Notrufe
Ob bei Reben im Weinberg oder bei Tomaten im Gewächshaus: Wie gut Pflanzen mit Wasser versorgt sind, stellt eine neuartige Magnetsonde fest, die einfach an die Blätter geklemmt wird. Sie verheißt Einsparpotenziale bei der Bewässerung und eine geringere Bodenversalzung.
Entwickelt wurde die Sonde von einem Team um Professor Ulrich
Zimmermann vom Biozentrum der Universität Würzburg in enger Diskussion
mit Privatdozent Dirk Zimmermann und Professor Ernst Bamberg vom Max-
Planck-Institut für Biophysik (Frankfurt/Main). Nach zweieinhalb
Jahren Arbeit steht die Technik kurz vor der Anwendung.
Mit dem Prototypen der Sonde laufen noch Tests, aber Interessenten aus
Landwirtschaft und Gartenbau drängeln sich schon vor Zimmermanns Tür:
"Starkes Interesse an unserer Technik gibt es in Israel, Australien
und anderen Regionen, in denen Landwirtschaft ohne Bewässerung nicht
möglich ist", sagt der Professor.
Spannend dürfte die Sonde auch für den Weinbau in Franken sein - denn
angesichts des Klimawandels und immer trockenerer Sommer setzen auch
hier bereits Winzer auf eine Bewässerung der Weinberge, um weiterhin
sichere und gute Ernten einzufahren.
So funktioniert die Magnetsonde
Die Sonde besteht aus zwei zylinderförmigen Teilen, die etwa so dick
wie ein Bleistift und magnetisch sind. Sie werden von oben und unten
auf das Pflanzenblatt gesetzt; die Magnetstärke lässt sich durch eine
Stellschraube verändern. Das gewährleistet, dass auch zartere Blätter
dem Druck der Sonde standhalten.
Einer der Magneten enthält einen druckempfindlichen Chip. Ist das
Blatt gut mit Wasser versorgt und dadurch prall, registriert der Chip
wenig Druck. Sobald das Blatt Wasser verliert, steigt der Druck. Die
gemessenen Werte laufen über ein Kabel zu einem etwa handygroßen
Transmitter, der sich zum Beispiel an den Zweigen der Pflanze
befestigen lässt. Er funkt die Messwerte zu einer Kontrolleinheit, die
die Daten speichert und sie ins Internet einspeist. Entwickelt wurde
die telemetrische Datenübertragung ins Internet von der NTBB
Systemtechnik GmbH in Zeuthen bei Berlin.
Am Bildschirm in seinem Büro kann Ulrich Zimmermann dann in Echtzeit
sehen, wie es um die Wasserversorgung des Olivenbäumchens bestellt
ist, das ein Stockwerk tiefer im Labor an der Sonde hängt. Abrufbereit
hat er aber auch die Daten je einer Orangen-, Oliven- und Bananen-
Plantage in Israel, wo das System derzeit ebenfalls Tests durchläuft.
Schnelle Reaktion auf Wassermangel möglich
Durstige Pflanzen senden ihre Notrufe also direkt an den Menschen -
auf den Laptop oder aufs Handy. Landwirte und Gärtner können dann
umgehend den Wasserhahn aufdrehen und online sehen, wann die Pflanzen
wieder gut versorgt sind. Die Notsignale aus dem Acker lassen sich
aber auch für die automatische Regelung von Bewässerungsanlagen
nutzen.
Vorteile der Magnetsonde
Mit der Magnetsonde sei erstmals eine kontinuierliche, präzise und
hoch empfindliche Messung der Wasserversorgung von Pflanzenblättern
auch im Freiland möglich, so Zimmermann. In der Bewässerungstechnik
kämen bislang - wenn überhaupt - nur Bodensensoren zum Einsatz, die
den Feuchtigkeitsgehalt der Erde bestimmen. "Das spiegelt aber nicht
die Verhältnisse in der Pflanze wider", so Zimmermann.
Der Professor nennt weitere Vorteile: Jeder Laie kann die Sonde
anbringen, die Blätter erleiden durch sie keinen Schaden. Die
Lebensdauer der Sonde beträgt eine Vegetationsperiode; für den Einsatz
auf dem Feld oder im Gewächshaus genügen pro Hektar drei bis vier
Sonden. Angepeilt sei ein Mess-System, das den Nutzern keine allzu
hohen Betriebskosten verursacht. "Bei konsequentem Einsatz sollte sich
die Investition im Lauf von zwei Jahren bezahlt machen", so
Zimmermann.
Wasserverbrauch und Bodenversalzung nehmen ab
Landwirtschaftliche Betriebe, die sich beim Bewässern nach der
Magnetsonde richten, dürften rund 30 Prozent weniger Wasser
verbrauchen, prognostiziert der Würzburger Professor.
Für den Freilandanbau in heißen und trockenen Ländern erwartet
Zimmermann eine weitere positive Auswirkung: Eine bedarfsgerechte
Bewässerung, wie sie mit der Sonde möglich ist, müsste dort der
Versalzung der Böden entgegenwirken. Dieser schädliche Effekt kommt
zustande, wenn der Boden ständig viel Wasser verdunstet - zurück
bleiben die im Wasser gelösten Salze. "Gibt man den Pflanzen aber nur
so viel Wasser wie sie aufsaugen können, wird die Verdunstung über den
Boden auf ein Minimum reduziert", sagt Zimmermann.
Ministerium unterstützt Firmengründung
Ein gewaltiges Marktpotenzial sieht Zimmermann in der Sonde. Darum
haben er und seine Mitstreiter sich zur Gründung einer Firma
entschlossen, die als Dienstleistung für Landwirtschaft und Gartenbau
die bedarfsgerechte Steuerung der Bewässerung anbietet.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat dem Würzburger Gründerteam dafür
100.000 Euro aus dem Förderprogramm EXIST bewilligt. Mit dieser
Finanzspritze kann das Team nun den Geschäftsplan erarbeiten und die
Firmengründung vorantreiben. Auch die Entwicklung des Prototyps der
Magnetsonde hat das Wirtschaftsministerium im Rahmen des Programms
PRO-INNO gefördert.
Mitglieder des Gründerteams
Neben Professor Zimmermann gehören dem Gründerteam an: Biologie-
Doktorand Simon Rüger, die Biotechnologin Dr. Aihua Zhou und der
Unternehmensberater Michael Gallena. Betreut wird das Projekt vom
Servicezentrum Forschung und Innovation (SFI) der Universität
Würzburg.
ZIM Plant Technology: Dieser Name steht über dem Vorhaben. ZIM ist die
Abkürzung für "Zimmermann Irrigation Monitoring". Das heißt:
"Überwachung der Bewässerung nach der Methode von Zimmermann".
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
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