29.11.2009
Polymere fischen radioaktive Isotope
Neues Verfahren reduziert radioaktiven Abfall
Der Chemiker PD Dr. Börje Sellergren vom Institut für Umweltforschung der TU Dortmund hat jetzt gemeinsam mit einem Kollegen vom Bhaha Atomic Research Center in Kalpakkam, Indien, eine Methode entwickelt, mit der die Menge radioaktiven Abfalls deutlich reduziert werden kann. Der Lösungsansatz der Wissenschaftler: Kleine Kügelchen aus speziellen Polymeren, die Radioaktivität aus dem Wasser "herausfischen".
Atomenergie könnte unsere Energieprobleme lösen, wenn da nicht die
unerwünschten Nebenprodukte wären: die radioaktiven Abfälle. Dabei
sind es nicht nur die ausgebrannten Kernstäbe, deren Entsorgung große
Probleme bereitet. Im Reaktorbetrieb fallen auch umfangreiche Mengen
an schwach radioaktiven Abfällen - vor allem kontaminiertes Kühlwasser
- an. Dieses muss ebenfalls aufwändig unter Beachtung strengster
Sicherheitsauflagen entsorgt werden. Der Chemiker PD Dr. Börje
Sellergren vom Institut für Umweltforschung der Technischen
Universität Dortmund hat jetzt gemeinsam mit seinem Kollegen
Sevilimedu Narasimhan vom Bhaha Atomic Research Center in Kalpakkam,
Indien, eine Methode entwickelt, mit der die Menge dieses radioaktiven
Abfalls deutlich reduziert werden kann. Der Lösungsansatz der
Wissenschaftler: Kleine Kügelchen aus speziellen Polymeren, die
Radioaktivität aus dem Wasser "herausfischen".
In Druckwasserreaktoren, dem gängigsten Kernreaktor-Typ, zirkuliert
heißes Wasser mit hohem Druck durch die Stahlrohre und löst dabei
Metall-Ionen aus den Innenwänden der Rohre. Wenn das Wasser durch den
Reaktorkern gepumpt wird, werden diese Ionen von Neutronen bombardiert.
Da die Rohre aus Stahl bestehen, handelt es sich bei diesen Ionen in
den meisten Fällen um herkömmliche Eisen-Isotope (56 Fe), die bei
Neutronenbeschuss nicht radioaktiv werden. Doch der Stahl in den
Rohren ist für gewöhnlich mit Kobalt legiert. Und wenn diese Kobalt-
Neutronen absorbiert werden, entsteht ein instabiles Kobalt-Isotop (60
Co), radioaktiv mit einer Halbwertzeit von über fünf Jahren.
Üblicherweise wird das Wasser mit Ionenaustauschern gereinigt. Doch
diese Technik hat einen entscheidenden Nachteil, denn sie
unterscheidet nicht zwischen nicht radioaktiven Eisen-Ionen und radioaktiven Kobalt-Ionen.
Um dieses Problem zu beheben, suchten Sellergren und Narasimhan ein
Material, das Kobalt bindet, während es Eisen ignoriert. Sie
entwickelten ein spezielles Polymer, das mittels eines "Molekulare
Prägung" genannten Verfahrens erzeugt wird. Dieses Polymer wird in
einer Kobalt haltigen Umgebung erzeugt. Im Anschluss werden die
Kobalt-Ionen mit Salzsäure extrahiert, also quasi "ausgewaschen". Die
dabei entstehenden Kobalt großen Löcher - die Prägung - sind in der
Lage, in anderen Umgebungen Kobalt - und nur Kobalt - aufzunehmen. Das
Ergebnis: Eine geringe Menge dieses Polymers ist so in der Lage, eine
große Menge der radioaktiven Isotope "abzuschöpfen".
Das Wissenschaftlerteam arbeitet jetzt daran, aus dem Polymer kleine
Kügelchen zu formen, die ein Reaktorkühlsystem durchlaufen können. Sie
sind sich sicher, dass es wesentlich billiger wäre, Radioaktivität in
diesen Kügelchen zu konzentrieren als größere Mengen schwach
radioaktiven Abfalls zu entsorgen. Bedarf ist auf jeden Fall
vorhanden, denn weltweit werden gerade rund 40 neue Atomkraftwerke
gebaut und in den nächsten 15 Jahren sollen nach Schätzungen der
internationalen Atomenergiebehörde weitere 70 dazu kommen.
Technische Universität Dortmund
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